Ich habe vor zwei Tagen meine gesamten Kräuter- und Blütenernte neu sortiert und beschriftet. Dabei wurde mir bewusst, dass ich an Hand jeden beschrifteten Glases eine wundervolle Geschichte erzählen könnte. Ich spüre so tiefe Dankbarkeit, dass ich durch jeden Schritt, wo ich der Natur und den Kräutern näher gekommen bin, sich mein Wissen erweitert hat, ich dadurch soviele schöne und ereignisreiche Momente erleben durfte und sich dabei neue Freundschaften ergeben haben und andere auf einer wunderschönen Ebene vertieft haben.

Seit ich meine Herzensleidenschaft lebe und diese auch nach außen trage, können andere Personen und meine zwischenmenschliche Beziehungen sehr davon profitieren – und damit meine ich natürlich nicht auf der finanziellen Ebene – nein ich kann Kräuterwissen austauschen oder weitergeben und mit meiner Faszination und Herz dafür andere Menschen begeistern.

Das letzte Mal fragte mich Johannes – der Sohn einer Herzensfreundin: „Moni, was ist dein Lieblingskraut?“ Und ich konnte ihm keine Antwort geben, bis auf: „Ich will mich nicht entscheiden, einfach alle.“

Somit möchte ich meinen Jahresrückblick am liebsten mit allen Kräutern und Blüten machen und habe jedoch die Highlights für euch hinausgesucht:

Ich halte die Blüten der Schafgarbe (achillea millefolium) in meiner Hand und ich weiß einfach, dass ich diese von meiner Mutter erhalten habe. Ich sehe sie bildlich vor meinen Augen, wie sie auf dieser Wiese steht im Sonnenschein und mit einem großen Papiersackerl die Blüten der Schafgarbe pflückt und hineinerntet. Die Schafgarbe ist das Kraut meiner weiblichen Ahnenlinie und meine Mutter war so einfühlsam und hat in der Steiermark auf einer wunderschönen Wiese diese so kraftvollen Blüten gesammelt. Mein Geschenk ist, dass meine Familie aufmerksam ist in der Natur und mich und meine Faszinationen dort leben lässt und sich dafür auch noch interessiert. All dies sehe und fühle ich, wenn ich diese Blüten in der Hand halte – was für ein Geschenk.

Als ich weiterging fielen mir die Blätter vom Shiso-Kraut (Perilla frutescens) auf, ich öffne vorsichtig den Deckel und es wird ein Duft verströmt, wo sich ein Bild nach dem anderen in meinem Kopf anreiht – Ein Kollege hat dieses einjährige Kraut angebaut und an einem warmen Sommernachmittag gefrag: „Hey Moni, magst du dir etwas ernten, mitnehmen und verarbeiten? Ich hab es mal probiert anzubauen, schmeckt zwar ein bisschen eigen, aber vielleicht kannst du etwas damit anfangen….“ Das war der Startschuss für meine Recherche: Shiso-Blätter werden auch für die Herstellung der Umeboshi-Paste verwendet und ist im asiatischen Raum so „normal“ wie für uns die Petersilie. Es hilft bei Magen-Darm-Beschwerden und Erkältungskrankheiten und wird Schwangeren bei Übelkeit empfohlen, da sie laut TCM die „Mitte“ stärkt….

Und schon hatte ich mit meiner ersten Ernte ein Pesto angerührt, Blätter für den Tee getrocknet und eine Ernte habe ich als „Limonade“ mit dem Ginger-Bug angesetzt. Anschließend habe ich noch von Franziska von „Sehnensucht“ erfahren, wie man diese Blätter mit fermentierten Gemüse vearbeitet und es in sovielen Speisen verarbeitet werden kann. Ich verbinde dieses Kraut mit warmen Sommerstunden, außergewöhnlichen Düften und Geschmäckern und große Vielfalt – da es strauch- und buschartig wächst und sehr anspruchslos dem Boden gegenüber ist und es sich wunderschön in Blumensträußen macht – was für ein Gewinn dieses Kraut kennen gelernt zu haben.

Mein Blick schwenkt weiter und meine Wundwinkel ziehen sich nach oben, denn ich habe dieses Jahr das erste Mal das Olivenkraut (santolina rosmarinfolia) vom Steingarten geernet. Als ich es als Jungpflanze damals entdeckt habe, dachte ich nur: das wird nur so heißen, aber wer weiß wie es schmecken wird – die Blätter haben eher einem Thujengewächs geähnelt und ich war sehr skeptisch.

Als ich dann bei der Ernte die Blätter aneinander gerieben habe, poppte sofort ein griechsicher Salat mit Feta in meinem Kopf auf – es duftete nicht nur nach Oliven, es schmeckt auch danach. Ich dachte nur: WOW! Warum wusste ich bis jetzt nicht, dass dieses Kraut existiert? Es war mein bisher bestes kreiertes Kräutersalz und ich hab es über Monate über all meine Speisen gestreut und das Gefühl gehabt mitten am Strand zu sitzen.

Als ich meine Sammlung der Lindenblüten (Linde-tilia) in der Hand halte, schließe ich meine Augen und es begann zu surren, dann zu summen und es wurde immer wieder lauter und dann war es ganz deutlich: eine Armee von Bienen surrte um eine wunderschöne, große Linde, die in ihrer vollen Pracht blühte. Die Linde verbinde ich mit purer Lebensfreude – ich sammle sie jedes Jahr an derselben Stelle – dort stehen Sommer- und Winterlinden – somit habe ich die Möglichkeit zu mehreren Zeitpunkten zu ernten und das Licht des Sommers einzufangen. Für mich ist der Lindenblütentee im Winter meine innere Sonne – der Duft, die Wärme, das helle Licht und die das unaufhörliche Summen der Insektenvielfalt. Wie wundervoll und kraftgebend diese Blüten sein können… Ich fühle mich so gesegnet, in unmittelbarer Umgebung von diese prächtigen Bäumen umgeben zu sein.

Und wenn ich weiter sehe, entdecke ich die nächste Farbenpracht die Rosenblüten (rosaceae). Ich habe die Farbe rosa früher immer gemieden, doch dies änderte sich in den letzten Jahren und dies sanfte und doch kräftige Farbe hat mich in den Rosenblüten immer mehr fasziniert. Der Rosenstock, der im Garten steht ist so robust, dass er auch nach starkem Rückschnitt so prachtvoll in die Blüte geht und uns jedes Jahr riesige Blüten schenkt – es ist zwar keine Duftrose, jedoch erinnert mich jedes einzelne Blütenblatt an meine erste Seife „Rosentraum“, an die Recherche über das Rosenöl – für Herzöffnungen und wie oft ich in den Dornen im Garten beim Vorbeigehen hängen geblieben bin und ich erst im Nachhinein verstanden habe, dass die Rose mich zur Langsamkeit bewegen wollte – Innehalten, Genuss und die Vielfalt dort zu genießen.

Ein wunderschönes Geschenk letztes Jahr im Sommer waren die gesammelten Blüten des echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) von der Alm von einer neuen liebevollen Freundin. Diese Blüten erinnern mich immer daran, wie wertvoll neue FreundInnen in meinen Leben sein können, was es für neue Ansätze auch bei Kopfschmerzen gibt und dass sie mir aktiv zugehört hat und mich damit überrascht hat. Ich habe mich mit diesem Kraut seit 2 Jahren intensiv beschäftigt und es hat mir die eine oder andere Kopfwehnacht wesentlich erleichtert. Diese Vernetzung von Heilung, Kräuter, Wissen, zwischenmenschliche Beziehung und wertschätzende Begegnung ist dadurch möglich gewesen. Als ich das erste Mal dieses Kraut in der Steiermark an einem Flussufer gerochen habe, bin ich wie ferngesteuert dem Geruch gefolgt, bis ich bei der Blüte angekommen bin und mir nur dachte: was ist das und was kann ich alles über diese Pflanze erfahren. Dazu möchte ich auch gerne erwähnen, dass ich geruchssensibel bin und meine Geruchsrezeptoren wesentlich stärker als beim Durchschnitt ausgeprägt sind.

Und eines meiner letzten wundervollen Highlights war die Ernte meiner Artemisia annua-Blüten. Der einjährige Beifuß (artemisia annua) begleitet mich nun schon mehr als 4 Jahre in meinem Leben. Kennen gelernt durch einen Zufall auf einem Jungpflanzenmarkt in Graz. Seitdem nehme ich von dieser Jungpflanze jährlich immer wieder neu die Samen ab und säe sie jährlich wieder neu aus – ein wunderschöner Zyklus. Diese Pflanze hat mich in meiner Genesung von den Borrelien geholfen und mir in vielen Erkältungszeiten den Viren und Bakterien den garaus ausgemacht. In dieser Pflanze steckt ein Wirkstoffspektrum, wie ich es selten in einer Heilpflanze erlebt habe. Und als die Blütenernte anstand, hab ich mir Unterstützung von einer Herzensfreundin geholt – es war der letzte sonnige und warme Tag in diesem Jahr – verbracht dort mit ihr in der Sonne mit einer sehr reichhaltigen Ernte – wo auch viele tolle Fotos entstanden sind. Ganz tiefe Dankbarkeit macht sich in meinem Herzen breit.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert